SG Lewis: Bruchstücke eines perfekten Sommers [Kurzreview]

2015/2016.
Dieser Mann ist ein Genie, ein Genie des Simplen, des Warmen, des Angenehmen. SG Lewis war mein Sommer 2015 und hat den Song geschrieben, den ich (laut Last.fm) am häufigsten gehört habe. Jetzt hat er eine neue EP herausgebracht, die einfach fast alles richtig macht. Spoiler.


Leider ist mein Sommer fast vorbei, der Stress geht wieder los. Aber selbst dann kann ich SG Lewis gut gebrauchen. Seine EP heißt Yours, ebenso der erste Titel. Der kommt mit dem typischen, entspannten, umfassenden Klang daher, den ich gern als "warm" bezeichne. Das können nur wenige Künstler, etwa Honne und Michael Schulte (Letzterer aber nicht immer). 


Mit Gallant bring SG Lewis den ersten von zwei Gastinterpreten auf die Platte. Bei Holding Back handelt es sich meiner Meinung nach am eindeutigsten um eine Popnummer, die so auch im Radio (1Live Plan B) laufen könnte. Ansonsten ist SG Lewis nicht speziell, aber eben beinahe zu entspannt. Gallants Stimme bringt neue Energie rein, die Gitarre hat einen genialen Groove. Das ist kein richtiger Mainstream, dafür ist es zu gut. Allerdings wird es gegen Ende hin doch etwas repetitiv.
Meant To Be erinnert mich hingegen an Roosevelt oder ... ach, keine Ahnung. Die Synthies sind erneut großartig, besonders mit guten Boxen. Das ist Musik zum reinlegen und wohlfühlen.
Bishop Nehru ist der Gastmusiker auf dem letzten Song, der sich nicht wesentlich, aber immerhin ein wenig von den anderen unterscheidet. Mit Gone ist da auf einmal Rap. Insgesamt überzeugt mich der Track nicht wirklich, aber ich kann nicht benennen, warum.

Anspieltipp: Holding Back
Klingt wie: Honne, Jack Garratt, Aquilo.










Mein Lieblingssong von SG Lewis ist übrigens dieser hier. Der Name ist Programm.


Drangsal: Als wäre The Cure gut drauf [Kurzreview]

Bildquelle


2016.
Ja, der Vergleich mit The Cure musste sein. Aber daran ist nichts Schlimmes, im Gegenteil. Das, was mir persönlich an The Cure zu finster ist, macht Drangsal in der fröhlichen Variante, auch wenn die Texte das nicht unterstützen. Gut zu hören beim Song Schutter.
Das Album Harieschaim ist bereits im April erschienen, zündet bei mir trotzdem erst jetzt. Ich mag die Wave-Art, den Bass und besonders die Synthies. Und auch die Gitarre ist sehr angenehm, drängelt sich eher selten in den Vordergrund. Besonders faszinierend finde ich auch die Titel der einzelnen Songs.


In den Achtzigern wäre das Album wahrscheinlich explodiert, heute blieb der Erfolg eher aus. Kann ich nicht nachvollziehen. Andererseits ist Max Gruber alias Drangsal viel zu cool für die Charts. Vielleicht ist es besser so, wenn der Erfolg so bleibt  und die Musik ebenfalls. Ich freue mich bereits auf das nächste Album und wünsche mir mehr Songs wie Will ich nur dich  der einzige deutsche Track, dessen Deutsch man schlechter versteht als das Englisch. Das ist auch einzigartig.

Anspieltipp: Do The Dominance, Will ich nur dich, Herzberg - 2013 Version
Klingt wie: The Cure, Rainbirds (Hinterkaifeck klingt wie Blueprint), The Human League

Das Album Harieschaim ist am 22. April 2016 bei Caroline (Universal Music) erschienen. Die Audio-CD kostet 16,99€, die Vinyl 20,99€.













You're here von Mhokomo [Blindhören]


2016.
HACH! Wie lange schon möchte ich über Fewjar schreiben? Und nun das. Noch vor dem nächsten Fewjar-Album "Until" (kommt im Herbst) und dem von mir langersehnten Debüt von Fewjar-Felix (Pseudonym: DNZR) haben Fewjar-Jako und Andre Moghimi abgeliefert. Es ist somit ein Beinahe-Soloprojekt von Jako, allerdings sollte man Andre niemals zum Sidekick herunterstufen. Der Typ hat es ebenso drauf, dementsprechend hoch sind meine Erwartungen.
Im Gegensatz zum Fewjar-Sound erwarte ich ein etwas düstereres, langsameres Album. Und eventuell werden mir die Felix-Synthies fehlen.

Artwork: Copyright bei Jakob Joiko


Kurze Erklärung: Beim Blindhören höre ich ein Album zum ersten Mal und notiere parallel meine Gedanken dazu. In erster Linie überlege ich, woran mich das Gehörte erinnert. Da ich ansonsten keine Ahnung von Musik habe, kann es einige fachliche Fehler geben.

21:03 Uhr.
Da ich das erste Stück token schon kenne, schreibe ich den Anfang dieses Posts, während der Song läuft. Mein Eindruck steht nämlich längst fest: Das ist ein grandioser Auftakt und so ziemlich das, was ich mir von dem Album erwarte. Ich hoffe, hoffe, hoffe, dass der Rest des Albums genauso wird: Abwechslungsreich, dramatisch. Besonders der Rhythmus gefällt mir sehr, nur die tieffrequenten Synthies sind nicht so ganz mein Fall. Trotzdem freue ich mich in erster Linie auf die kommenden, ungehörten Songs. Für das Video hat Mhokomo bereits einen Webvideopreis erhalten.



So! Weiter geht es miiit *schaut auf spotify* this flight. Alle Stücknamen werden klein geschrieben, da halte ich mich ausnahmsweise dran. Leider kommt meine Vinyl erst im Sept --- wartet mal. Das klingt, als träfen Mike Oldfield und Modeselektor aufeinander. Hui, die Synthies!
Uuund da ist der Gesang von Jako, der alles so herrlich süßsauer-dramatisch macht. Hach.
Also, meine Vinyl kommt leider erst im September, darum muss ich mich noch mit Spotify begnügen.
Vielleicht komme ich noch darauf, woran mich dieser eine Synthie erinnert. Vielleicht an eine Nummer von Schiller?
Ohje, der tiefe Gesang von Jako gefällt mir wiederum nicht. Das ist ein bisschen schief. Dafür sind die Drums sehr schnieke.

21:13 Uhr. underneath, pt.1. Eines der wenigen Geräusche dieser Welt, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann, ist Gitarrengeschrappe. Dieses knarzige Geräusch da. Am Anfang des Songs ist es kurz zu hören, hoffentlich kommt es nicht so schnell wieder.
Echo! Manche Dinge ändern sich nie.
Mich würde echt interessieren, was der Musikexpress dazu sagt.
Noch wirkt alles wie ein Auftakt, der auf irgendetwas hinführt. Dieser chorale Gesang könnte genausogut ein Soundtrack sein, z.B. für eine im Nachhinein eingefügte Sterbeszene im Musical "We will rock you". Und das meine ich nicht negativ. Im Snippet gab es einen Song (inferior), den ich wirklich genial fand; auf den freue ich mich schon.



Die Streicher und das Piano, das zu i was here überführt, gefallen mir sehr.
Die Synthies deuten an, dass jetzt etwas mehr Schwung in die Bude kommt. (Eventuell etwas Daft Punk?). Der Filter über Jakos Stimme ist etwas gewagt, da fehlen irgendwie die Höhen.
Bislang ist das (neben token) der stärkste Song der Scheibe. Am Ende gibt es Jako nochmal mit klarer Stimme und Gitarre, das ist schön und ein wenig wie Eden Project, aber mit weniger Wumms. Stattdessen gibt es einige Star-Trek-Töne. Ich weiß noch nicht, ob es mir gefällt, dass der Song keine klare Struktur hat.

don't laugh randomly hat ein schönes Piano und - ähnlich wie Fewjar - Gemurmel und Geraune im Hintergrund.
Uiui! Ein Hans-Zimmer-Sound bei ca. ~1.40min/2.26min! Oder Schiller! Nein, das ist Schiller, ein richtiger Gänsehautbass. Das finde ich persönlich sooo cool.


21.27 Uhr.
Ich suche nach diesem Sound von Schiller, damit ich ihn hier einfügen kann.

21.36 Uhr.
Wow, jetzt habe ich so lange auf YouTube nach diesem Sound gesucht, dass ich ganz vergessen habe, was ich suche. Ich hab es nicht wirklich gefunden. Der Anfang von Lichtermeer kommt recht nah an das heran, was ich suche. Wenn ich das Richtige finde, trage ich es hier nach.


21.39 Uhr.
Ich spule ein wenig zurück und höre mich wieder rein. Zu don't laugh randomly bleibt allerdings nicht viel zu sagen, am Ende wirkt es dann doch sehr geordnet.
inferior beginnt mir Drums, die mir nicht gefallen. Das könnte auch der Beginn eines Bollywoodsongs sein, gemischt mit ... ahh, ich weiß es nicht. Es wird aber immer cooler, je mehr Ebenen hinzukommen, und plötzlich stören die Drums gar nicht mehr. Und die Gitarre ist der Hammer, erinnert mich auch an etwas ... eventuell einen coolen Sasha. (Wie? Ich habe natürlich nie Sasha gehört!).
WARUM IST DAS SO KURZ?


change. *grunz* Ich will aber grad nicht wechseln, meh.
Entweder liegt es an meinem Schiller-Schwall eben oder die Synthies klingen tatsächlich wieder wie Schiller. Andererseits benutzt Christopher von Deylen sechs Keyboards, also kann man beinahe jeden Synthie-Sound mit ihm verbinden. Lassen wir das also.
Mir fällt zu dem Stück nicht viel ein. Ruhig, wabernd, erneutes Echo. Das Finale spricht mich deutlich mehr an, vor allem wegen des Gesangs.

Da ist er auch schon, der zweite Teil des obigen Songs: underneath, pt. 2. Gitarrengezupfe entführt in fremde Kulturen, in pulsierende, dreckige Städte.
Huch, was ist denn mit Jakos Stimme? Das ist ja mal cool. Die Synthies im Mittelteil unterstützen das Kopfkino, das ich bei den anderen Songs nicht hatte. Ich überlege die ganze Zeit, woran es mich erinnert, ob überhaupt. Es ist evtl. das düstere Gegenstück zur Band Noble Oak oder Tycho.
Wow, das ist echt cool. Damit hätte ich ehrlich gesagt nicht mehr gerechnet. Saxofon (?) am Ende, sehr nice. Mag ich sehr.


Und da ist schon der letzte Song, der in den ersten paar Tönen nach "Infinity" (2008?) klingt. Plz don't.
Es handelt sich um let me disappear. Leicht schräge, harfenartige Töne und Gitarre. Klingt sehr angenehm und nicht ganz so düster. Natürlich macht das Jakos Stimme gleich wieder zunichte, aber wen kümmert das schon? Gegen Ende wird es angenehm orchestral, wie im Cloud-Atlas-OST von Tom Tykwer, Johnny Klimek und Reinhold Heil. Unten ein Beispiel: Ab 0:30 gibt es eine ähnlich rhythmische, anschwellende Stelle. (Den Film habe ich letzten für mein Unifach Audiodesign analysiert, seitdem bekomme ich die Melodien nicht aus dem Kopf).
Die Streicher und das tröpfelnde Harfengedöns (das ist sicherlich keine Harfe) sind im Mhokomo-Song auch sehr gut gelungen. Das Piano am Schluss erinnert an den wunderbaren Soundtrack von Professor Layton vs. Phoenix Wright.



22.03 Uhr.
Kein Vinylknistern. Spotify schweigt.


Es ist schwer, Mhokomo nicht ständig mit Fewjar zu vergleichen ... obwohl mir jetzt erst richtig klar wird, welche Rolle Felix übernimmt. Wenn man beide Projekte/Bands getrennt voneinander hört, fallen natürlich Gemeinsamkeiten auf (vor allem durch Jakos Stimme, die Echos und einzelne Gitarrenelemente sowie einige Synthie-Arrangements, die an den Moghimi-Remix von Indigo erinnern), aber auch eine großartige Eigenständigkeit und ein eigener Klang. Erst düster, später eher hoffnungsvoll und vor allem angenehm. Zwischendurch hatte ich ganz kurz Zweifel, ob ich die Vinyl überhaupt anhören werde, aber besonders token, inferior, underneath, pt.2 und let me disappear sind so gut, dass es sich lohnt. Die anderen Songs werde ich mir sicher noch ein paar Mal anhören müssen, damit ich sie liebgewinne (so war es auch bei einigen Fewjar-Songs, die ich mittlerweile nicht missen möchte).

A-, B-, C- oder D-Seite?: Da ich die beiden letzten Songs feiere: D-Seite.
Bester Song?: token, underneath, pt.2
Schwächster Song?: change

you're here ist am 29. Juli 2016 bei Schubert Music Agency Gmbh (Soulfood) erschienen. Die Doppel-Vinyl (inkl. MP3-Downloadcode) erscheint am 2. September für 24,99€. Die CD ist für 16,99€ zu haben.










Playa Holz von Golf [Blindhören]

2016.
Warum schreibe ich so gerne über unbekannte Bands? Selbst die bekannteren von ihnen generieren kaum Klicks. Nun, die Antwort ist simpel und euch vermutlich schon bekannt: Weil ich ihre Musik feiere und sie wenigstens ein paar Leuten ans Herz legen möchte.


Diese Zeilen schreibe ich wenige Minuten, bevor ich "Playa Holz" von Golf auflege. Aber das, was ich von den EPs der Kölner Jungs kenne, ist genial genug, um im Voraus zu sagen: Das sind die vermutlich besten Newcomer des Monats.
Dann legen wir mal los.


13:12
Willkommen im Asia-Restaurant! Ich hätte vor dieser Review nicht die Review des Musikexpress lesen sollen, so etwa beeinflusst mich gerne. Dort heißt es, dass Zeilen wie

Ich will nichts, und davon viel

typisch für unsere junge Generation seien. Ja, nun. Ist wahr.
Gleich nach dem Intro geht es funky, locker, energetisch weiter. Oh Mann, ich weiß jetzt schon, dass ich diesen Song sehr oft hören werde. Ach ja, der Song heißt Viel.

Ich wäre gern überall zugleich, aber nirgends zu lang

Super Auftakt! Als nächstes kommt Macaulay Culkin, ein Song, den ich schon vorher sehr gefeiert habe. (Auch auf diesem Blog. Vielleicht etwas zu oft). Oh, während ich einige Fotos mache, läuft bereits Wasser. Den Song gab es schon auf ihrer Ping Pong EP, die im Juni 2015 erschienen ist. Passend dazu standen sie in meinem liebsten Musikmagazin (JA, dem Musikexpress), als "Next Big Ding". Ich finde, dass sie dem Titel gerecht werden.
Zurück zum Song. Golf hat auch hier einen wunderbar entspannten, jugendlichen Sound. Sie reihen sich mit St.Lucia, Friendly Fires, SG Lewis und Co. in die Reihe der Musiker, die extrem sommerlich sind. Uuund, die A-Seite ist vorbei.



13:24 Uhr.
Woher kommt eigentlich dieser Staub auf neuen Schallplatten? Der kann doch nicht mir gehören!
Die B-Seite beginnt mit Zeit zu Zweit, der durch Wiederholung des Titels entspannend wirkt. Chillaxend, oder wie die Jugend das heutzutage nennt. Die Texte sind auch herrlich unaufgeregt und trotzdem sehr passend.

Du bist mir egal, bis ich es dir bin


13:27 Uhr.
Ein Song, den ich noch nicht kenne, hurra! Bis auf Viel kannte ich viel durch Single-Auskopplungen und die oben erwähnte EP.
Ooooh, Kraftwerk! Tour de France! (Ja, das musste jetzt kommen).
Es klingt ähnlich elektronisch wie die großen Pioniere, und doch sehr jung. Ich wippe ständig mit. Ich bin angenehm überrascht von den "neuen" (aka mir unbekannten) Songs, bei OK KID mochte ich mit einer Ausnahme nur die vorher Bekannten.

13:31 Uhr.
Rot ist die Farbe of Love.
Okay, lassen wir das erstmal so stehen. Der Song ist eher eine Trance-Nummer, der Text wiederholt sich immer wieder. Schönes Interlude für Seite C.



13:37 Uhr.
Nein, das ist kein Productplacement: Der erste Song der C-Seite heißt iPhone und ist eher eine ... ja, unaufregende Popnummer.
Weiter mit Coconut.


DAS IST JA SPANISCHER TEXT!
Ha! Wie geil! WIE GEIL. Ich bin hin und weg. Auch, wenn ich gerade erkenne, das mein Spanischunterricht noch nicht ausreicht, um alles verstehen zu können.



13:43 Uhr.
Hannover,
Das ist einer der Songs, die im Vorhinein von vielen als Plattenbester angepriesen wurde, oder zumindest als besonders hervorstechend. Meine Erwartungen sind hoch.

Wohl eher Hannover, kein England und kein Mofa.

Äh, was. Ist das musikalischer Dadaismus? Oh, die Zeile danach ist dafür umso schöner.

Ich liebe dich nicht,
aber mehr als mich
und alle anderen.
Der Titel haut mich jetzt nicht von den Socken, dafür ist es musikalisch zu ... freihängend.
Jetzt wird ein letztes Mal umgedreht.

13:47 Uhr.
Dein Grün ist auch schon von der Ping Pong EP bekannt ... wenn man einen Song schon sehr oft gehört hat, ist es schwer, im Blindhören etwas darüber zu sagen. Ich liebe die Melodieführung, und wie der Text damit verschmilzt. Ich kann mir das auch ziemlich gut als A-capella-Nummer vorstellen. Oder als der genialste Kanon, den eine Grundschulklasse je gesungen hat.

13:52 Uhr.
Ratet mal, welchen Song ich noch von der Ping Pong EP kenne.
Richtig. Ping Pong.
Was für eine Ironie, dass eine Band namens Golf ... naja, egal. Hier geht es tatsächlich hin und her, musikalisch, lyrisch. Minutenlang.

13:55 Uhr.
Letzter Song!
Rückkehr ins Asia-Restaurant, allerdings um einiges gemächlicher. Laterne ist das typische, ruhige Schlusslied. ... oder auch Schlaflied.

Deine Autotür geht auf
in Flammen

Was geht bei diesen Jungs. Himmel, diese Lyrics! Bei der Zeile "Willst du mein Kaugummi haben?" habe ich eventuell etwas verstört geguckt.
Trotzdem irgendwie schön.
Ausklang.
Vinylknistern.
13:59 Uhr.

Und nochmal hören.



A-, B-, C- oder D-Seite?: A und B
Bester Song: Coconut und Viel
Schwächster Song: iPhone und Rot ist die Farbe of Love

Playa Holz von Golf ist am 13. Mai 2016 beim Label Styleheads Music (Groove Attack) erschienen.
Die CD gibt es im Handel für 14,99€, die Vinyl kostet 24,99€ und beinhaltet einen Downloadcode für das Album.










Zwei von OK KID [Blindhören]

08.04.2016, 12:14 Uhr.
Sie dreht sich! Endlich! Während Blüte dieser Zeit beginnt, starte ich mit diesem Artikel.
Es spielt:

ZWEI

OK Kid


Deutscher Hip-Hop auf diesem Blog? Ja, und zwar vollkommen berechtigt. Wartet es ab.
Der Bandname setzt sich aus den Alben Kid A und OK Computer von Radiohead zusammen. Bildquelle

Gerade bin ich wahnsinnig aufgeregt und freue mich auf jeden Ton und jede einzelne Zeile.
Wie immer beim Blindhören soll der Post fertig sein, wenn sich die Nadel von der letzten Seite dieses Albums löst. Darum schreibe ich einfach nieder, was mir einfällt, zitiere wahllos und verweise auf ähnliche Titel anderer Musiker.



Zwei von OK Kid ist heute erschienen. Amazon hat mir um Mitternacht mitgeteilt, dass ich die digitale Version meiner bestellten Vinyl schon hören kann. How about no?
Gottchen, wie lange ich auf dieses Album gewartet habe! Und gleich der erste Song haut ordentlich rein, orientiert sich aber stark am Vorgängeralbum mit dem Titel OK Kid (how creative), was keineswegs schlecht ist.
Es ist das erste Mal, dass ich tippen muss, während deutsche Texte gesungen und/oder gerappt werden. Kleine Herausforderung an mich, aber hoffentlich kann ich meine Gedanken bei den Songs niedertippen, die ich schon kenne. Das ist jetzt der Fall, bei Ich kann alles.

Ich hab mir alles geglaubt, mir meine Lügen auch
Und dass die Lügen Lügen waren, glaub' ich mir jetzt auch

In Hinsicht auf OK Kid bin ich ein ganz schlimmer Hipster, denn ich kannte sie schon, als sie noch Jona:s hießen ... und das war 2008 oder so. Auf N-Joy wurde damals Grau gespielt, ein noch immer wahnsinnig geniales Stück. Bekomme es einfach nicht totgehört.


Bis ich aber begriffen habe, dass Jona:s als OK Kid weitermacht, sind ein paar Jahre vergangen. Schande über mich! Dafür bin ich aber seit einem knappen halben Jahr wieder voll und ganz infiziert.

Ah, Gute Menschen.

Alles ist einfach, bist du einfach gestrickt
kein Knoten im Kopf, nur ein Faden am Genick

So. Gut. Auch einer der Songs, der vorher ausgekoppelt wurden, und meiner Meinung nach einer der besten "politischen" Songs dieses Jahres. (Neben Be deutsch mit Jan Böhmermann, also vermutlich der zweitbeste. Hihi. Zwei. Okay, ich lass es).
Bei OK Kid passt einfach alles: Der mitreißende Rhythmus, die teils schrägen Synthies (in Gute Menschen klingt es teils so, als würde man ein Theremin verwöhnen) und vor allem der Text.

Jetzt ... jetzt wollte ich mich gerade freuen, dass der nächste unbekannte Song spielt, da ist die A-Seite vorbei.
Umgedreht, wieder da. Mir fällt ein, dass ich eigentlich einen Tee trinken wollte.
Es ist wieder Februar beginnt.



Jaaa! Auf so einen Refrain habe ich gehofft. Für mich klingt der Song nach Sommer und hat den selben Effekt wie Schon wieder Winter von Kraftklub auf mich. Faszinierend an OK Kid ist, dass sie seit Jahren durchgängige Mittel und Metaphern benutzen. Februar, Gin und Kaffee gehören auf jeden Fall dazu, auch wenn ich nicht glaube, dass ich vollkommen schlau draus geworden bin.
Insgesamt lässt mich der Song doch etwas unbefriedigt zurück. Mal hören, was Bank bringt.
Am Beginn bin ich mir nicht sicher, ob die Platte springt. Was sind das für interessante Töne? Klingt wie ... ein Glasflaschen-Xylofon, irgendwie gefällt mir das sehr.
Oh! Ähnlichkeit zu Raus in die Sonne von Neodisco (auch einer dieser Songs, die ich nicht totgehört bekomme), allerdings wesentlich ruhiger.



Im Mittelteil dann ... Mike Oldfieldsche Klänge. Musikalisch gibt es hier viele Kleinigkeiten zu entdecken, der Song ist ein Mischmasch aus unterschiedlichen Zeiten und Instrumenten, mal sehr klassisch, mal sehr modern. Aber stimmig, nice! Einer meiner Favoriten dieses Albums.

Kommen wir zu 5. Rad am Wagen.
Klingt wie ... eine Mischung aus miesem Horrorsoundtrack und Gangstarap.
Was ist das denn?
Öh.
Und dieser feat.-Gast, Megaloh, ist, äh ... ja, der entspricht Gangstarap.
Sorry, das ist absolut nicht meins.
Ich warte einfach stumm, bis es vorbei ist und gehe in der Zwischenzeit Tee kochen. #bitchmove



12:41 Uhr.
Beginnen wir mit Seite B1, also der C-Seite. Bombay Calling kenne ich schon, der hat wenigstens Energie und ... keinen komischen Gangstakram. Hörer, die diesen Song mochten, mochten auch: Macalauy Culkin von Golf (Album erscheint im Mai).





Wisch & Weg klingt instant nach den Achtzigern. Vielleicht hat das Album doch eine Berechtigung, auf diesem Blog zu erscheinen! Er klingt ein wenig nach Kraftklub, den Pet Shop Boys und ... ja, das war es eigentlich. Aber er ist trippy, besonders durch die Synthies. Ich wippe eigentlich durchgängig mit dem Kopf.

Hallo, hallo, ist das der Sonderzug nach Pankow? Nein, das ist die U-Bahnstation. Klingt wie Punk und Tocotronic, hat einen komischen feat.-Gast namens Frank Spilker (schaue nach, der kommt von Die Sterne, also ja, klingt wie Tocotronic) und könnte auch aus der Neuen deutschen Welle stammen.

Niemand sitzt gern in der Mitte,
niemand redet geradeaus

U-Bahn-Metaphern hat Fabian Römer auch schon gebracht, meines Erachtens besser. Und schon wieder muss umgedreht werden ...

Kaffee warm 3 hält hoffentlich das, was er verspricht. Bittebitte!
Yay, "bleibst" auf "bleibst" reimen. Im Hintergrund singt irgendeine Frau, die aber kein feat.-Gast ist. Komisch, steht auch nicht in den technischen Anmerkungen zum Song. Höre ich Gespenster? Muss am Gin liegen.

Und wieder grüßt das Bauchgefühl
und es sticht immer dann von der Seite,
wenn der Kopf schon auf dem Boden liegt.

Oha, es kommen doch nochmal Synthies! Die zweite Hälfte des Songs ist schön.

Euforia ist, woran es mir bislang ein wenig mangelt. Am besten haben mir (bis auf Blüte dieser Zeit und Bank) tatsächlich die Songs gefallen, die vorher schon präsentiert wurden.
Obwohl, dieser Song hat wieder was. Nicht ganz so exzentrisch wie Panorama von Gerard feat. OK Kid, aber doch ... geht es in die Richtung.


Letzter Song: Erinnert.

Stirbt die Hoffnung zuerst, dass sich irgendetwas ändert,
wollen wir nichts, außer dass man sich an uns erinnert.

Wow, der Song ist wieder eine kleine Granate. Erinnert mich zwar auch an irgendetwas, aber das ist mir grad Wumpe. Außerdem wippe ich so schön mit dem Kopf, der mag sich nicht auf den Post konzentrieren.



Letzte Klänge, Vinylknistern.
13:05 Uhr.

A-, B-, C- oder D-Seite?: A und D
Bester Song: Gute Menschen
Schwächster Song: 5. Rad am Wagen (feat. Megaloh)